Anruf

Jahrelang waren wir wie Brüder, haben jeden Tag zusammen verbracht. Jetzt trennt die Zeit unsere
Wege und wir verbringen die letzte
Nacht. Jeder hat schon mehr getrunken, als er eigentlich sollte.
Jeder sagt noch einmal das, was
er schon immer sagen wollte. Ich
meld‘ mich bei dir, ich schreib‘ dir
einen Brief, ich ruf‘ dich mal an,
sobald ich dann kann. Bis dann
irgendwann! Der Abend war lang,
die nächsten Wochen zogen sich.
Jeden Tag eine neue Aufgabe,
jeden Morgen ein neues Gesicht.
Manchmal sitze ich da, mit dem
Klassenfoto im grünen Plastikrahmen.
Dann sehe ich sie feiern und
höre sie tausendmal sagen. Wenn
man sich gelegentlich und zufällig
trifft, ist da gar nichts mehr, das es
zu sagen gibt.