| Jeder jeden Eine marode Straße mit Rissen im Asphalt, es ist dunkel geworden, wahrscheinlich regnet es bald. Ein älterer Mann grüßt einen jüngeren Mann, sie bleiben kurz stehen, reden, verabschieden sich dann. Eine alte Dame winkt dem Mann im Blumenladen, er ruft freundlich zurück: na dann mal bis die Tage. Ich will schreien, hier oben am Fenster bin ich, aber mich beachtet man hier nicht, und ich frag mich, kennt hier jeder jeden? Kennt hier jeder irgendwen? Läuft da draußen denn alles immer ohne mich? Warum interessiere ich euch denn nicht? Ein Mann eilt durch den Regen, ein Telefon in der Hand. Er wählt immer wieder, brüllt: nun geh doch endlich ran. Mein Handy liegt schon seit Wochen auf dem Tisch, ich sehe es an, aber es meldet sich nicht. Ein Kind ruft von unten, ruft hoch, ruft seine Mama: Kann mein Freund noch mitkommen? Ja, meinetwegen kann er. Die Kleinen schreien: Endlich besuchst du mich. Nur mich besucht niemand, mich kennt man nicht. Es ist Abend geworden, doch die Straße ist belebt. Es scheint als ob am Abend wirklich jeder ausgeht. Die Reklametafeln der Disco von gegenüber leuchten, in großen Lettern steht, sag es auch zu deinen Freunden. In diesem „Riesenladen“ scheint es heiß herzugehen, dass die meisten Gäste sogar draußen vor der Türe stehen. Ich will schreien, hier oben am Fenster bin ich. Aber mich beachtet man hier nicht. |